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  • Armin Walter

Das Bieter-Verfahren – Fluch oder Segen? 

Findige Vermittler kamen auf die Idee einen ganz normalen Immobilienverkauf wie eine Auktion aufzuziehen, um eine Immobilien schnell zu verkaufen.

Ein Objekt so schnell wie möglich verkaufen zu wollen, ist natürlich völlig in Ordnung und vom Eigentümer sicherlich auch gewollt, allerdings aber nicht auf Kosten des Verkaufspreises.


Beim Bieter-Verfahren wird dem Verkäufer nämlich vorgegaukelt, dass der gebotene Kaufpreis auch den Ist-Marktwert darstellt.

Aber von vorn:



Was ist ein Bieter-Verfahren?

Bei vielen Maklerunternehmen, findet man folgende Erklärungen für das Bieter-Verfahren auf deren Internetseiten: Wir lassen den Markt entscheiden. Es ist keine Auktion und keine Versteigerung! Es wird nur ein Gebot von einem Kaufinteressenten abgegeben, an das sich der Kaufinteressent aber nicht halten muss und der Verkäufer auch nicht verpflichtet ist, dieses Angebot zu akzeptieren.

Das Bieter-Verfahren wird aber trotzdem so aufgezogen, als wäre es eine öffentliche Versteigerung. Das Objekt wird für 1 Euro angeboten und eine öffentliche Besichtigung angesetzt, an dem sich alle Interessenten ihr Traumhaus mit vielen anderen Menschen ansehen können (Bieter-Besichtigung).

Manche Makler bieten sogar ein kleines Rahmenprogramm mit Kaffee und Kuchen für die Interessenten und eine Hüpfburg für die Kleinen.


Viele vermeintliche Kaufinteressenten erscheinen zu diesem Termin und besichtigen Ihre Immobilie vom Keller- bis zum Dachgeschoss. Zusätzlich geben sie ihr vermeintliches Fachwissen preis und beurteilen ihr Heim. Auch die Nachbarn haben nun endlich die Möglichkeit zu sehen, wie sie eingerichtet sind. Von den Typen mit schwarzen Limousinen mal ganz zu schweigen.

Nach dem festgesetzten Ende des Bieter-Verfahrens, entscheidet der Verkäufer, mit wem er den Kaufvertrag abschließen möchte - so zu lesen auf den Seiten einiger Maklerunternehmen.


Das hört sich natürlich vielversprechend an. Ich habe schließlich als Verkäufer die freie Auswahl, wem ich mein Haus verkaufen möchte. Ich kann also aus vielen Angeboten wählen und brauche dann nur noch mit dem Höchstbietenden zum Notar gehen und den Kaufvertrag besiegeln lassen.

Schnelle Sache: Nur eine Besichtigung und dann in kürzester Zeit das Haus für den Marktwert verkauft. Oder hätte ich nicht doch mehr bekommen können?

„Nein, natürlich nicht!“, sagen die Befürworter solcher Aktionen. „Sie bekommen den Marktwert Ihres Objektes!“ Sie schreiben aber auch auf ihren Internetseiten: Hier bieten die Schnäppchenjäger und der Immobilienfachmann nebeneinander und hoffen auf einen günstigen Kaufabschluss. Moment mal! Also doch nicht der Marktwert?



Ein Widerspruch in sich?

Ich meine, ja! Denn welche Art von Kaufinteressenten spreche ich mit diesem Bieter-Verfahren an? Den solventen Kaufinteressenten, der sich in aller Ruhe das Objekt ansehen möchte, vielleicht noch ein entspanntes und informatives Gespräch mit dem Verkäufer führen möchte und dann nach einigen Tagen, ein faires Angebot abgibt? Oder aber, ziehe ich eher die Schnäppchenjäger scharenweise an, die den Verkäufer in einer schlechten finanziellen Situation sehen?

Als Makler suggeriere ich damit dem Verkäufer: Dieses Angebot ist der Marktwert! Für den Makler bedeutet dieses Bieter-Verfahren ein schnelles Geschäft. Und für den Verkäufer?

Der Verkäufer wird dem Makler glauben und ihm seine Sachkenntnis nicht absprechen, den tatsächlichen Markwert wird er aber wohl nie erfahren.


Ich halte dieses Bieter-Verfahren daher für sehr bedenklich.

Ein seriöser Makler sollte in der Lage sein, den Marktpreis zu ermitteln. Wenn nicht, sollte er sich professionelle Hilfe holen. Amtlich vereidigte Sachverständige finden man im Internet oder bei den Katasterämtern. Natürlich sind diese Gutachten nicht kostenlos, aber der Verkäufer erhält dadurch einen Anhaltspunkt, wie viel seine Immobilie wert ist. Denn eine Immobilie unter Wert zu verkaufen, kann viel teurer sein, als ein Gutachten erstellen zu lassen.



Mit freundlichem Gruß


Ihr Armin Walter

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Besondere Liegenschaften / © seit 1980

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